
Löffler: Merkmale Habitat Nordsee Wattenmeer
Manche Vögel erkennt man sofort – doch fast niemand kennt ihren Namen. Der Löffler ist ein seltener Brutvogel, dessen Bestand sich in Deutschland verzehnfacht hat: von 103 Brutpaaren im Jahr 2003 auf über 1000 heute. Trotzdem wissen wenige Menschen, wie dieser schneeweiße Vogel mit dem löffelförmigen Schnabel aussieht.
Wissenschaftlicher Name: Platalea leucorodia · Familie: Ibisse und Löffler (Threskiornithidae) · Gefiederfarbe: weiß · Größe im Vergleich: kleiner als Graureiher · Typischer Lebensraum: Nordseeküste, Wattenmeer
Kurzüberblick
- Gehört zur Familie der Ibisse und Löffler (Zugvogeltage, 2023)
- Weißes Gefieder mit löffelförmigem Schnabel (NABU)
- Größe 80–93 cm, Flügelspannweite 120–135 cm (NABU)
- Genauere Brutpaarzahlen nach 2020 (lückenhaft dokumentiert)
- Detaillierte Bestandszahlen für Schleswig-Holstein post-2019
- Wintergäste und Rastbestände nach 2009
- 1995: Erster Bruterfolg Memmert (Nationalpark Wattenmeer)
- 2003: 103 Brutpaare in Deutschland (Wikipedia)
- 2019: 1023 Brutpaare in Deutschland (Wikipedia)
- Bestand zeigt ansteigenden Trend (NLWKN Niedersachsen)
- Erste Binnenlandbrut 2020 an der Bislicher Insel (NRW) ((NLWKN Niedersachsen))
- Schutzpriorität bleibt hoch im EU-Vogelschutzgebiet ((NLWKN Niedersachsen))
Zentrale Daten und Fakten zum Löffler, zusammengestellt aus wissenschaftlichen Quellen:
| Merkmal | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Familie | Ibisse und Löffler (Threskiornithidae) | Wikipedia (Löffler-Artikel) |
| Gefieder | Schneeweiß | NABU (Vogelporträt) |
| Schnabelform | Löffelförmig, schwarz mit gelber Spitze | Zugvogeltage |
| Größe | 80–93 cm | NABU (Vogelporträt) |
| Flügelspannweite | 120–135 cm | NABU (Vogelporträt) |
| Brutpaare Deutschland 2019 | 1023 | Wikipedia (Löffler-Artikel) |
| Vorkommen | Nordsee, Wattenmeer, Brut auf Inseln und Halligen | Nationalpark Wattenmeer |
| Höchstalter | Über 28 Jahre | avi-fauna.info |
Insgesamt gehört der Löffler zu den wenigen Arten, deren Brutbestände seit der Jahrtausendwende stark zugenommen haben.
Was für ein Tier ist ein Löffler?
Der Löffler (Platalea leucorodia) ist ein großer, eleganter Wasservogel, der auf den ersten Blick an einen Reiher erinnert – doch bei näherem Hinsehen fällt sofort der ungewöhnliche Schnabel auf. Er ist flach und breit, vorne abgerundet wie ein Löffel, daher kommt der Name. Mit seinem schneeweißen Gefieder, dem schwarzen Schnabel mit gelblicher Spitze und den langen, dunklen Beinen ist er kaum zu verwechseln. Der wissenschaftliche Name Platalea leucorodia bedeutet übersetzt „Plattenschnabel mit weißem Gefieder” – eine treffende Beschreibung.
Aussehen und Merkmale
Der Löffler erreicht eine Körpergröße von 80 bis 93 Zentimetern und eine Flügelspannweite von 120 bis 135 Zentimetern. Damit ist er etwas kleiner als ein Graureiher, aber immer noch ein eindrucksvoller Anblick. Sein Gefieder ist schneeweiß – daher auch die lateinische Artbezeichnung leucorodia. Im Prachtkleid trägt er einen markanten gelben Kehlfleck, der ihm in der Brutzeit ein besonders auffälliges Aussehen verleiht. Außerhalb der Brutzeit fehlt dieser Farbtupfer. Der Schnabel ist das herausragende Merkmal: Er ist 15 bis 20 Zentimeter lang, löffelförmig verbreitert und dient als perfektes Werkzeug bei der Nahrungssuche.
Der löffelförmige Schnabel unterscheidet den Löffler von allen anderen weißen Großvögeln im Wattenmeer. Graureiher haben einen dolchartigen Schnabel, Silberreiher sind zwar ebenfalls weiß, aber deutlich kleiner. Wer also einen weißen Vogel mit einem breiten, abgerundeten Schnabel sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Löffler vor sich.
Wissenschaftliche Klassifikation
Systematisch gehört der Löffler zur Familie der Ibisse und Löffler (Threskiornithidae). Diese Familie umfasst weltweit etwa 30 Arten, darunter auch die heimischen Ibisse. Der Löffler ist die einzige Art seiner Gattung (Platalea) in Europa. Die Familie zeichnet sich durch gemeinsame Merkmale bei Schnabelform und Nahrungsaufnahme aus: Alle Arten seihen ihre Nahrung aus dem Wasser. Die Artbezeichnung leucorodia leitet sich aus dem Griechischen ab: „leukos” bedeutet weiß, „rhodios” bezieht sich auf den rosigen Schimmer des Gefieders bei bestimmten Lichtverhältnissen.
Obwohl der Löffler äußerlich manchem Reiher ähnelt, ist er taxonomisch näher mit den Ibissen verwandt. DNA-Studien bestätigen die Zugehörigkeit zur Familie Threskiornithidae, die sich vor etwa 60 bis 70 Millionen Jahren entwickelt hat. Fossilienfunde zeigen, dass es bereits in der Kreidezeit ähnliche Formen gab.
Die Arealausweitung des Löfflers in Mitteleuropa ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit einer Art an neue Lebensräume. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Brutbestand in Deutschland verzehnfacht – von 103 Brutpaaren im Jahr 2003 auf über 1000 im Jahr 2018. Der Nationalpark Wattenmeer dokumentiert diese Entwicklung als eine der erfolgreichsten Ansiedlungen einer Vogelart in Europa.
Ist der Löffler ein Vogel der Nordsee?
Ja, und zwar mit wachsender Selbstverständlichkeit. Das Wattenmeer an der Nordsee hat sich seit den 1990er Jahren zu einem der wichtigsten Brutgebiete für den Löffler in Deutschland entwickelt. Wo einst nur Durchzügler zu beobachten waren, brüten heute Hunderte von Paaren auf den Inseln und Halligen. Das Nationalpark Wattenmeer erstreckt sich von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark – und in diesem Küstenstreifen fühlt sich der Löffler zunehmend heimisch. Besonders bemerkenswert: Die Art breitet sich nicht nur an der Küste aus, sondern hat 2020 erstmals auch im Binnenland gebrütet, an der Bislicher Insel in Nordrhein-Westfalen.
Vorkommen an der Nordseeküste
An der deutschen Nordseeküste ist der Löffler mittlerweile ein fester – wenn auch nicht alltäglicher – Anblick. Von Februar bis Oktober lassen sich die Vögel beobachten, wenn sie aus ihren Winterquartieren zurückkehren und die Brutzeit einläuten. Das Wattenmeer bietet ideale Bedingungen: ausgedehnte Flachwasserzonen zum Seihen, ungestörte Inseln für die Brutkolonien und ein reichhaltiges Nahrungsangebot aus kleinen Fischen, Krebstieren und Wasserinsekten. Die Rastplätze befinden sich vor allem in den Prielen, aber auch in den sogenannten Kleipütten – Wasserstellen auf den Salzwiesen, die bei Ebbe als Nahrungsflächen genutzt werden.
Knapp 80 % des deutschen Brutbestandes brüten in Niedersachsen.
Wer einen Löffler beobachten möchte, sollte die Priele und Wattflächen im Nationalpark Wattenmeer aufsuchen. Die besten Chancen bestehen bei Ebbe, wenn die Vögel im flachen Wasser seihend nach Nahrung suchen. Eine ruhige Beobachtung aus ausreichender Entfernung ist wichtig – der Löffler reagiert empfindlich auf Störungen und gibt Kolonien bei zu viel Unruhe schnell auf.
Brutgebiete im Wattenmeer
Die Brutkolonien des Löfflers befinden sich ausschließlich auf den Inseln und Halligen des Wattenmeeres. Diese Standortwahl ist kein Zufall: Die Inseln bieten Schutz vor Fressfeinden wie dem Rotfuchs und dem Hermelin, die auf dem Festland eine ständige Bedrohung darstellen. In Niedersachsen war Memmert im Jahr 1995 Schauplatz des ersten erfolgreichen Bruterfolgs im deutschen Wattenmeer. Seitdem haben sich die Vögel kontinuierlich ausgebreitet. Auf der Hallig Oland in Schleswig-Holstein gelangen 2000 die ersten Bruterfolge außerhalb Niedersachsens. Heute brüten Löffler auch auf anderen Halligen und Inseln – oft in direkter Nachbarschaft zu Möwenkolonien, die als zusätzlicher Schutzwall gegen Prädatoren dienen.
Knapp 80 Prozent des deutschen Brutbestandes konzentrierten sich 2009 auf Niedersachsen (243 von damals insgesamt geschätzten Brutpaaren). Diese hohe Konzentration zeigt die herausragende Bedeutung des niedersächsischen Wattenmeeres für die Art. Schleswig-Holstein hat seit den ersten Bruterfolgen auf Oland im Jahr 2000 ebenfalls zunehmende Bestände zu verzeichnen, wenn auch auf niedrigerem Niveau.
Die europäische Dimension der Wattenmeer-Population wird deutlich, wenn man die Zahlen vergleicht: Während in Deutschland etwa 300 Brutpaare brüten, liegen die Schätzungen für ganz Europa bei 9.000 bis 15.000 Paaren. Der deutsche Anteil ist also noch vergleichsweise gering, doch die Zunahme zeigt, dass das Wattenmeer als Bruthabitat an Bedeutung gewinnt. Der Nationalpark Wattenmeer führt diese Entwicklung auf die Kombination aus Schutzmaßnahmen, optimierten Nahrungsbedingungen und klimatischen Veränderungen zurück.
Sind Löffler selten?
Das hängt davon ab, worauf man schaut: global, europaweit oder nur mit Blick auf Deutschland. Weltweit schätzt man den Gesamtbestand auf 66.000 bis 140.000 Individuen – eine Zahl, die auf den ersten Blick beeindruckend klingt, aber durchaus eine Einordnung erfordert. In Europa ist der Löffler nach wie vor eine Art mit begrenzter Verbreitung, auch wenn sich der Brutbestand seit der Jahrtausendwende deutlich erholt hat. In Deutschland gilt der Löffler weiterhin als seltener Brutvogel, auch wenn die Zahlen steigen. Wer einen Löffler im Wattenmeer sieht, erlebt also nach wie vor etwas Besonderes.
Bestand in Deutschland
Die Brutpaarzahlen in Deutschland haben eine bemerkenswerte Entwicklung genommen: Standen 2003 nur 103 Paare in den Brutstatistiken, waren es 2019 bereits 1023 Paare – also etwa das Zehnfache in weniger als zwei Jahrzehnten. Der Nationalpark Wattenmeer meldete 2018 erstmals mehr als 1000 Brutpaare an der deutschen Küste. Diese Zahlen stammen aus dem niedersächsischen Wattenmeer, das mit rund 80 Prozent des deutschen Bestandes das dominierende Brutgebiet darstellt. Die Rastbestände im Wattenmeer erreichten 2009 bis zu 1220 rastende Individuen allein im deutschen Bereich. Diese Zahlen zeigen einen klaren Trend: Der Löffler ist auf dem Vormarsch in Deutschland.
Sichtungen und Schutzstatus
Der Löffler ist in Deutschland streng geschützt. Das Niedersächsische Wattenmeer ist als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen, wobei der Löffler als wertbestimmende Art gilt. Das bedeutet, dass der Schutz dieser Art ein zentrales Ziel der Schutzgebietsverordnung ist. Der NLWKN Niedersachsen stuft den Löffler als Art mit hoher Schutzpriorität ein. International gilt die Art nach IUCN als „nicht gefährdet” (Least Concern), doch die europäischen Populationen profitieren von den Schutzmaßnahmen im Wattenmeer. Die Rückkehr und Ausbreitung des Löfflers gilt als Indikator für die Gesundheit des Küstenökosystems – eine Art, deren Schicksal eng mit dem Zustand der Feuchtgebiete verknüpft ist.
Der Löffler reagiert empfindlich auf Störungen in seinen Brutkolonien. Schon geringe Unruhe durch Freizeitaktivitäten oder touristische Nutzung kann dazu führen, dass Vögel ihre Nester aufgeben. Deshalb konzentrieren sich die Brutplätze auf unbewohnte Inseln und Halligen, wo der menschliche Einfluss minimal ist. Die Erhaltung dieser ungestörten Lebensräume ist entscheidend für den Fortbestand der Art.
Die Zunahme der Brutpaare von 103 im Jahr 2003 auf über 1000 im Jahr 2018 zeigt, dass der Löffler von den Schutzmaßnahmen im Wattenmeer profitiert – der Bestand wächst dort, wo die Lebensräume geschützt werden.
Sichtungsmeldungen von NABU-Mitgliedern und Vogelbeobachtern zeigen, dass der Löffler zunehmend auch außerhalb der klassischen Brutgebiete auftaucht. Seltene Einzelbeobachtungen gibt es an Binnengewässern und an der Ostseeküste. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Art ihr Vorkommen langsam ausweitet und möglicherweise neue Gebiete erschließt. Die lückenhaften Daten nach 2020 erschweren allerdings eine aktuelle Bestandsabschätzung – eine Forschungslücke, die Naturschützer gerne geschlossen sehen würden.
Der Bestand nimmt derzeit stark zu.
Sind Löffler Flamingos?
Auf den ersten Blick könnte man das denken: Beide Vögel sind groß, überwiegend weiß und halten sich an Gewässern auf. Doch die Ähnlichkeit ist rein äußerlich – taxonomisch gesehen sind Flamingos und Löffler nicht einmal entfernt verwandt. Löffler gehören zur Familie der Ibisse und Löffler (Threskiornithidae), Flamingos bilden eine eigene Familie (Phoenicopteridae). Der wesentliche Unterschied liegt im Schnabel: Flamingos haben einen charakteristisch nach unten gebogenen Schnabel, mit dem sie invertiert im Wasser filtern. Löffler seihen mit ihrem flachen, löffelförmigen Schnabel in der normalen Kopfhaltung.
Unterschiede zu Flamingos
Die Schnabelform ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Beim Flamingo ist der Schnabel in der Mitte scharf nach unten geknickt – eine Anpassung an die Kopfwendung beim Filtrieren. Die Zunge fungiert dabei als Saugpumpe. Der Löffler hingegen hat einen geraden, löffelförmigen Schnabel, den er durch das Wasser führt, um Beutetiere zu seihen. Auch die Beinfarbung unterscheidet sich: Löffler haben dunkle Beine, Flamingos je nach Art rosa bis orange gefärbte Extremitäten. In Europa kommen Flamingos in freier Wildbahn nur als seltene Gäste vor – etwa als Irrgäste aus Afrika oder als Zoo-Tiere.
In Zoos und Tierparks werden manchmal beide Arten gehalten, was zu Verwechslungen führen kann. Der Rosalöffler (Platalea alba), eine eng verwandte Art aus Afrika und Madagaskar, wird gelegentlich in zoologischen Einrichtungen gezeigt. Er unterscheidet sich vom europäischen Löffler durch rosa Beine und einen etwas helleren Schnabel. Der Hinweis, dass es sich nicht um Flamingos handelt, sondern um Ibisse, ist also ornithologisch korrekt.
Vergleich mit Rosalöffler
Der Rosalöffler (Platalea alba) ist die afrikanische Schwesterart unseres europäischen Löfflers. Er ist etwa gleich groß und hat denselben löffelförmigen Schnabel, unterscheidet sich aber durch die Färbung: Seine Beine sind rosa, und er hat im Prachtkleid einen rosa Schimmer am Kopf und Hals. In europäischen Zoos ist manchmal der Rosalöffler zu sehen, was zur Verwechslung mit Flamingos beiträgt – besonders wenn Besucher die Tiere nur aus der Ferne betrachten. In freier Wildbahn kommt der Rosalöffler in Afrika südlich der Sahara und auf Madagaskar vor, ist also kein heimischer europäischer Vogel.
Die Unterscheidung zwischen den beiden Familien ist auch für die Vogelbeobachtung relevant. Wer an der Nordseeküste einen weißen Großvogel sieht, kann die Art schnell zuordnen: Flamingos sind in Deutschland praktisch nie in freier Wildbahn zu sehen, Löffler hingegen schon – besonders im Wattenmeer und an der Küste. Die Verwechslung mit Flamingos ist also eher ein Phänomen der Tierhaltung als der freien Natur.
Was bedeutet es, wenn man einen Löffler sieht?
Für die meisten Menschen, die einen Löffler zu Gesicht bekommen, ist es ein überraschender Moment. Schließlich ist die Art an der Nordsee erst seit den 1990er Jahren wieder regelmäßig anzutreffen – eine Generation, die sich an den Anblick gewöhnen konnte, ist noch kurz. In der Vogelbeobachtungsszene hat der Löffler deshalb eine besondere Bedeutung: Er steht für etwas, das in der Naturschutzgeschichte nicht selbstverständlich ist – eine Art, deren Bestand nicht sinkt, sondern steigt. Für Naturliebhaber ist eine Sichtung des Löfflers ein Zeichen dafür, dass der Schutz des Wattenmeeres Früchte trägt.
Symbolik und Bedeutung
In verschiedenen Kulturen wird dem Löffler eine symbolische Bedeutung zugeschrieben, die sich vor allem um Harmonie, Anmut und Ausgewogenheit dreht. Die elegante Erscheinung des Vogels, seine langsamen, gemessenen Bewegungen bei der Nahrungssuche und das schneeweiße Gefieder haben Menschen seit jeher fasziniert. In der christlichen Tradition wurde der Löffler manchmal mit Reinheit und spiritueller Erleuchtung in Verbindung gebracht – eine Deutung, die sich aus der auffälligen Färbung und dem ungewöhnlichen Schnabel ableitet. Auch in der japanischen Kultur gibt es Darstellungen des Löfflers als Symbol für Schönheit und Beständigkeit.
Für den Naturschutz hat der Löffler eine wichtige Funktion als sogenannter „Flagschiff-Art”: Seine auffällige Erscheinung und seine Erfolgsgeschichte machen ihn zu einem idealen Botschafter für den Schutz des Wattenmeeres. Wenn Menschen einen Löffler sehen und sich für ihn interessieren, besteht die Möglichkeit, auf die Bedeutung der Küstenökosysteme aufmerksam zu machen. Der NLWKN Niedersachsen nutzt diese Signalwirkung in der Umweltbildung.
Kulturelle Aspekte
Die Rückkehr des Löfflers an die Nordsee wird in der Region als positives Zeichen gedeutet. In den Hallig- und Inselgemeinden, die stark vom Tourismus und der Landwirtschaft abhängen, hat die Präsenz der Vögel auch eine wirtschaftliche Dimension: Vogelbeobachtungstourismus bringt Besucher, die gezielt nach seltenen Arten suchen. Der Löffler ist dabei ein Highlight – ein Vogel, den man anderswo kaum zu sehen bekommt. Birdingtours und spezialisierte Anbieter haben das Potenzial erkannt und bieten Touren an, bei denen die Beobachtung des Löfflers im Mittelpunkt steht.
In einigen Kulturen wird dem Löffler eine tiefere symbolische Bedeutung zugemessen, die über die rein ornithologische Betrachtung hinausgeht. Der Vogel mit seinem breiten, offenen Schnabel steht dort für Aufnahmebereitschaft und Offenheit für neue Erfahrungen. Die Tatsache, dass der Löffler seine Nahrung nicht greift, sondern seihend aufnimmt, wird als Metapher für eine sanfte, nicht-invasive Art der Weltbegegnung gedeutet.
Für den einzelnen Beobachter bedeutet das Sehen eines Löfflers vor allem eines: einen Moment der Aufmerksamkeit für die Natur. In einer Zeit, in der viele Menschen täglich mit Meldungen über Artenschwund und Ökosystem-Zerstörung konfrontiert werden, ist ein Vogel, dessen Bestand wächst, eine kleine Ermutigung. Der Löffler erinnert daran, dass Naturschutz funktionieren kann – wenn die Bedingungen stimmen.
Verwandte Beiträge: Insekten – Merkmale, Artenvielfalt und Bedeutung
Der Löffler findet im Wattenmeer der Nordsee ideale Bedingungen, etwa am St. Peter-Ording Strand mit seinen weiten Flächen und reichem Vogelleben.
Häufig gestellte Fragen
Wo lebt der Löffler?
Der Löffler lebt in Europa, Afrika und Asien in lückenhaftem Verbreitungsgebiet. In Europa brütet er vor allem im Wattenmeer von den Niederlanden bis Dänemark sowie im Mittelmeerraum. Die deutschen Brutvorkommen konzentrieren sich auf die Inseln und Halligen des niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Wattenmeeres. Die Überwinterung erfolgt in Südwesteuropa bis in den Senegal.
Wie sieht der Löffler aus?
Der Löffler ist ein großer, schneeweißer Vogel mit einem auffälligen löffelförmigen Schnabel. Die Schnabelspitze ist schwarz mit einem gelben Fleck. Die Beine sind lang und dunkel. Im Prachtkleid trägt der Löffler einen gelben Kehlfleck. Mit 80 bis 93 Zentimetern Körpergröße und 120 bis 135 Zentimetern Flügelspannweite ist er etwas kleiner als ein Graureiher.
Wie ernährt sich der Löffler?
Der Löffler seihert seine Nahrung aus dem Wasser. Dabei führt er seinen löffelförmigen Schnabel durch flaches Wasser und fängt kleine Fische, Wasserinsekten, Muscheln, Schnecken, Krebstiere und Amphibien. Die Nahrungssuche erfolgt im Watt, in Prielen, Kleipütten und flachen Seen. Anders als Flamingos seihen Löffler in normaler Kopfhaltung – der Schnabel wird nicht umgekehrt eingesetzt.
Wo brütet der Löffler in Deutschland?
In Deutschland brütet der Löffler ausschließlich auf den Inseln und Halligen des Wattenmeeres. Der erste erfolgreiche Bruterfolg wurde 1995 auf der Insel Memmert dokumentiert. Weitere Brutplätze befinden sich auf Oland (Schleswig-Holstein, seit 2000), Südfall und anderen Halligen. Niedersachsen beherbergt etwa 80 Prozent des deutschen Brutbestandes. Im Jahr 2020 gab es erstmals einen Brutnachweis im Binnenland an der Bislicher Insel in Nordrhein-Westfalen.
Warum ist der Löffler im Wattenmeer wichtig?
Der Löffler ist eine wertbestimmende Art im EU-Vogelschutzgebiet Niedersächsisches Wattenmeer. Seine Rückkehr und Ausbreitung zeigen, dass die Schutzmaßnahmen für das Wattenmeer wirken. Als Küstenvogel ist er ein Indikator für die Gesundheit des Ökosystems Watt – wenn es dem Löffler gut geht, profitieren auch andere Arten. Die Art steht symbolisch für die erfolgreiche Zusammenarbeit beim Schutz grenzüberschreitender Lebensräume.
Hat der Löffler eine besondere Symbolik?
In verschiedenen Kulturen wird dem Löffler Symbolkraft für Harmonie, Anmut und Ausgewogenheit zugeschrieben. Sein elegantes Erscheinungsbild und die sanften, gemessenen Bewegungen haben ihn zu einem Sinnbild für Schönheit und Natürlichkeit gemacht. In der Vogelbeobachtungsszene gilt er als Botschafter für den Naturschutz des Wattenmeeres. Eine Sichtung des Löfflers bedeutet für viele Naturliebhaber einen besonderen Moment der Verbindung mit der Natur.
Ist der Löffler gefährdet?
Nein, der Löffler gilt nach IUCN als „nicht gefährdet” (Least Concern). Allerdings sind die europäischen Populationen stark von den Schutzmaßnahmen im Wattenmeer abhängig. In Deutschland ist der Löffler streng geschützt und wird als Art mit hoher Schutzpriorität eingestuft. Die Brutpaarzahlen sind in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen, von 103 Paaren im Jahr 2003 auf über 1000 im Jahr 2018. Trotzdem bleibt der Bestand in Deutschland vergleichsweise gering.
Der Nationalpark Wattenmeer zeigt, dass Naturschutz Früchte trägt: Der Löffler ist ein lebender Beweis dafür, dass sich der Schutz von Lebensräumen auszahlt – seine Zahlen steigen dort, wo die Küstenökosysteme geschützt werden.